Leben · 23. März 2020
Ein Virus lässt unsere Welt stillstehen. Klopapier wird rationiert, Nudeln sind knapp und Tomatendosen aus. Offensichtlich hat die Menschheit beschlossen, ihre letzten Tage Pasta essend auf dem Klo zu verbringen. Kann man machen, muss man aber nicht. Blicken wir in vergangene Zeiten, in denen man sich entscheiden musste, ob man als Kranker lieber einem Arzt oder einem Heiligen vertraute. Besonders erfolgversprechend war beides nicht. Da haben wir es besser. Das hat doch auch etwas Tröstliches.

Essen & Trinken · 08. März 2020
Als das Beil des Scharfrichters den Hals von Sir Walter Raleigh durchtrennte, glomm noch die Tabakspfeife in seinem Mund. Genuss bis zum letzten Atemzug. Oder es war ein letzter Gruß des Lebemanns und Abenteurers an König James I., der Raleigh 1618 aufs Schafott geschickt hatte. Denn James war ein erklärter Feind des blauen Dunstes, jenes stinkenden, schwarzen Höllendampfes, der Gehirn und Lunge schädige, zu Laster und Müßiggang verführe. Vorausgesetzt die Geschichte von Raleighs Pfeife stimmt.

Religiöses Leben · 21. Februar 2020
Um das Jahr 395 hatte Arsenius genug vom üppigen Leben am Hof des Kaisers Theodosius und zog sich in die Einsamkeit der ägyptischen Wüste zurück. Dachte er jedenfalls. Doch die heiligen Männer der Wüste waren ein beliebtes Reiseziel betuchter römischer Damen. Der sich von so viel Weiblichkeit gestört fühlende Arsenius fürchtete, der Ozean werde sich „in eine Landstraße für Tausende von Weibern verwandeln“, alle unterwegs, um ihn zu sehen. Und an allem war Helena schuld.

Umwelt · 31. Januar 2020
Der Franzose zettelt eine Revolution an, der Deutsche geht ins Grüne. Wer auch immer das gesagt hat, treffender kann eine Beschreibung des deutschen Nationalcharakters kaum sein. Gibt es eine engere Beziehung als die der Deutschen zu ihrem Wald? Nun geht es den Wäldern schlecht, extremes Wetter setzt ihnen zu und der Borkenkäfer nagt fleißig. Was tun? Zurück zum Ursprünglichen, zu den unwegsamen, dunklen (Misch)Wäldern vergangener Zeiten? Da gibt es nur ein Problem: Das ist schlicht unmöglich.

Essen & Trinken · 17. Januar 2020
„Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann“, schmetterte Trude Herr Ende der 50er Jahre. Da war aus der bitteren Speise heidnischer Götter schon längst zuckersüße Milchschokolade geworden, ein Produkt, das sich in erster Linie an Frauen und Kinder richtete. Man kann das als Verfall des guten Geschmacks beklagen oder aber die Demokratisierung eines Luxusartikels begrüßen, den sich im 20. Jahrhundert fast jeder in der industrialisierten Welt leisten konnte.

Ausstellungen · 30. November 2019
Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe zeigt (unter anderem) die opulente „Türkenbeute“ des Markgrafen Ludwig Wilhelm in einer Sonderausstellung. Das 17. Jahrhundert war eine Zeit der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Orient und Okzident, aber auch des kulturellen Austausches. Wer sich an etwas „Säbelgerassel“ nicht stört, findet in Karlsruhe eine lehrreiche und farbenprächtige Ausstellung.

Ausstellungen · 15. November 2019
Vor genau 500 Jahren landete Hernán Cortés mit ein paar hundert Abenteurern im Golf von Mexiko. Zwei Jahre später lag Tenochtitlán, das glanzvolle Zentrum des aztekischen Imperiums, in Schutt und Asche. Mit der spanischen Eroberung wurde eine blühende Hochkultur zerstört. Das Stuttgarter Lindenmuseum widmet den Azteken eine große Ausstellung, die den Fokus trotz des Jubiläums nicht auf das jähe Ende legt, sondern sich erfolgreich an einem Gesamtblick auf die aztekische Zivilisation versucht.

Merowinger · 01. November 2019
Ein kleiner Nachtrag zu Brunichilde, die wir bisher (siehe: Die Machthungrige Teil 1 und 2) als machtbewusste, durchsetzungsstarke Königin kennengelernt haben. Die Frau, die nicht gerade zimperlich mit ihren Gegnern umsprang, schrieb gefühlvolle Briefe an den oströmischen Kaiserhof, um die Freilassung ihres dort gefangen gehaltenen Enkels zu erreichen. Hatte die Königin auch eine weiche Seite?

Merowinger · 20. Oktober 2019
Sie bestimmte die Politik des Frankenreiches wie keine andere Frau des 6. Jahrhunderts, allein schon durch ihre lange Lebenszeit. Mehr als 40 Jahre konnte sich Brunichilde an der Macht halten, überlebte Ehemann, Sohn und Enkel. Dass eine Frau sich zu behaupten wusste, gefiel nicht allen. Die Chronisten zeichnen das Bild einer ruchlosen und intriganten Königin, die zu Recht ein gewaltsames Ende fand.

Merowinger · 04. Oktober 2019
Sigibert wollte etwas Besseres als seine Brüder. Mochten sie sich mit Mägden zufriedengeben, er wollte eine Frau, in deren Adern königliches Blut floss, für sein Ehebett. Eine westgotische Prinzessin, die ihrem Ehemann Statusgewinn und eine reiche Mitgift ins Haus brachte. Bezüglich des Machterhalts hatte er nicht schlecht gewählt. Brunichilde setzte skrupellos die Interessen ihrer Familie (und ihre eigenen) durch. Sie konnte sich über 40 Jahre an der Macht halten, überlebte Söhne und Enkel.

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