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Königliche Nötigung

Heinrich II. am Bamberger Dom
Heinrich II. - Stifterfigur am Bamberger Dom, Adamspforte

Der Bischof von Würzburg sieht sich leider außerstande, die weite Reise anzutreten. Ansonsten sind alle da. Am 1. November des Jahres 1007 treffen sich die 28 ostfränkischen Bischöfe - bis auf den Würzburger - in Frankfurt. Die Synode hat nur einen wichtigen Tagesordnungspunkt: die Gründung des Bistums Bamberg. Nun hat das Reich vieles nötig, aber kein neues Bistum. Jeder Flecken des Reiches, jedes Dorf, jeder Mensch ist bereits seelsorgerisch erfasst und einer Diözese unterstellt. Bamberg gehört zum Bistum Würzburg und Würzburg wiederum zum Erzbistum Mainz. Die Sachlage ist klar, aber der König, Heinrich II., will unbedingt sein Bistum. Er hat den Würzburger Bischof bereits soweit gebracht, ihm Gebiete an der Regnitz zur Ausstattung des neuen Bistums abzutreten. Doch auch Bischöfe tun selten etwas umsonst. Der Würzburger verlangt dafür die Erhebung Würzburgs zum Erzbistum. Etwas, was der Erzbischof Willigis von Mainz, der Mann, dem Heinrich vor allem die Königswürde zu verdanken hat, keineswegs zulassen will. Und damit ist die Sache für den Würzburger erledigt. Nicht jedoch für Heinrich.

Hartnäckiges Niederwerfen

Die Bischöfe haben sich bereits versammelt, da erst erscheint der König. Er wirft sich vor den Bischöfen zu Boden, der Länge nach ausgestreckt, das Gesicht nach unten, die Arme kreuzförmig ausgebreitet: rex humotenus prosternitur  - der König wirft sich auf den Boden nieder. Der Fachausdruck lautet Prostratio. So wartet er bis Erzbischof Willigis, der Gastgeber der Veranstaltung, ihn aufhebt. Dann bringt Heinrich sein Anliegen vor. Er weiß, nicht alle Bischöfe sind auf seiner Seite. Würzburgs Rechtsposition ist nicht schlecht und der für den Bischof anwesende Kaplan argumentiert geschickt: Man dürfe hier keinen Präzedenzfall zulassen, denn ansonsten, das gebe er zu bedenken, sei keiner der hier Anwesenden mehr durch das Kirchenrecht geschützt. Der König hat dem nur eines entgegenzusetzen: Jedes Mal, wenn er fürchtet, zu unterliegen, wirft er sich wieder der Länge nach ausgestreckt auf den Boden. Befremdlich (für uns), aber erfolgreich. Als Erzbischof Willigis die Beschlussfassung beantragt, erklärt Erzbischof Tagino von Magdeburg, ein Vertrauter und Berater Heinrichs, man könne dem Willen des Königs sofort entsprechen. Alle Anwesenden bestätigen Taginos Meinung. Dem zu Hause gebliebenen Würzburger bleibt der Trost, dem wenigstens nicht zustimmen zu müssen. Und so, durch wiederholtes Niederwerfen, setzt Heinrich die Gründung des Bistums Bamberg durch.

Das heilige Kaiserpaar

Das Kaisergrab im Bamberger Dom, angefertigt in der Werkstatt von Tilman Riemenschneider (1499-1513). Auf den Seitenwänden des Hochgrabes werden Szenen aus dem Leben des Paares gezeigt. Rechts oben die wundersame Entfernung eines Blasensteins im Kloster Montecassino durch den heiligen Benedikt. Während der Arzt schläft, macht sich der Heilige ans Werk. Tatsächlich wurde Heinrich wohl während eines Aufenthalts im Kloster Montecassino ein Stein operativ entfernt. Heinrich litt sein ganzes Leben an einem schmerzhaften Steinleiden. Auch die Operation brachte nur kurzfristig Linderung.

Bamberg war der Ort, den Heinrich am meisten liebte. Bereits kurz nach seiner Königserhebung plante er, dort ein Bistum einzurichten. Heinrich und Kunigunde hatten keine Nachkommen. Sie setzten Gott zum Erben ein. Während der gewöhnliche Adlige ein Kloster zur Pflege seiner memoria, des Totengedenkens, errichtete, gründete Heinrich gleich ein ganzes Bistum. In Bamberg betrieb man die Heiligsprechung des Kaisers. Früh wurde er als pius, als fromm bezeichnet, und 50 Jahre nach seinem Tod war bereits von seiner sanctitas, seiner Heiligkeit, die Rede. 1146 wurde er durch Papst Eugen III. heiliggesprochen, die vielen Kirchengründungen galten als Ausweis der Heiligkeit ebenso wie die angeblich keusch geführte Ehe. Nun, die Ehe blieb ohne Nachkommen, so viel lässt sich sagen. Dazu die Blasensteine sowie die Operation in Montecassino – da konnten Gerüchte über das königliche Unvermögen im Ehebett nicht ausbleiben. 1200 wurde Kunigunde ebenfalls heilig gesprochen, angeblich konnte ihr bereits zur Ehre der Altäre erhobene Ehemann es nicht ertragen, dass seiner ihm treu ergebenen Ehefrau nicht die gleiche Verehrung entgegengebracht wurde.

Das Diözesanmuseum

Postkarten aus dem Museumsshop des Diözesanmuseums
Fotografieren verboten! Wer etwas aus dem Diözesanmuseum mit nach Hause nehmen will, muss zu Postkarten greifen. Die gibt es immerhin reichlich und in guter Qualität im Museumsshop.

Heinrich und Kunigunde statteten ihr Lieblingsprojekt mit reichen Gaben aus. Teile davon sind gegen eine Gebühr von 4 € im Diözesanmuseum gleich neben dem Dom zu besichtigen, darunter der berühmte Sternenmantel. Didaktisch gesehen ist das Museum im letzten Jahrhundert stehen geblieben und leider ist auch das Fotografieren nicht erlaubt. Nicht einmal im Lapidarium, wo doch Steine auch durch Fotografen, die nicht wissen, wie sie ihr Blitzlicht ausschalten können, kaum Schaden nehmen können. Da lobe ich mir doch die großen britischen und Berliner Sammlungen, wo Fotografieren ausdrücklich erwünscht ist. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Ralf Grabuschnig |deja-vu-geschichte.de (Freitag, 08 Juni 2018 14:37)

    Haha, es ist aus heutiger Sicht wirklich unvorstellbar, wie damals Recht gesprochen wurde bzw. was als valides Argument gilt. Ich will ja nicht mit dem "dunklen Mittelalter" kommen, das stimmt so ja nicht, aber von altgriechischer Rationalität sind wir da schon weit weg ;)