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Mensch und Maschine

Thomas Ramge über Künstliche Intelligenz

Roboter mit Sprechblase: Ich denke, also bin ich!
Identitätskrise eines superintelligenten Roboters?

„Und nun komm, du alter Besen!

Nimm die schlechten Lumpenhüllen!

Bist schon lange Knecht gewesen;

Nun erfülle meinen Willen!

Auf zwei Beinen stehe,

Oben sei ein Kopf!

Eile nun und gehe

Mit dem Wassertopf!“

Johann Wolfgang von Goethe, Der Zauberlehrling, 1797    

Es ist ein alter Traum der Menschheit, sich einen willfährigen Helfer zu schaffen, der, anspruchs- und emotionslos, alle unangenehmen Arbeiten übernimmt. Doch wie schon Goethes Zauberlehrling erfahren muss, wird man die Geister, die man ruft, so leicht nicht wieder los. Aber die Menschheit arbeitet weiter daran. Die neueste Meldung: Googles Sprachassistent Duplex kann einen Friseurtermin ausmachen und baut dabei sogar sinnlose Geräuschuntermalungen („ähm“, „mm-hmm“) ein. Wer ist Mensch, wer ist Maschine? Wissen wir noch, mit wem wir sprechen? Wem ein solches Szenario Angst macht, sollte zu Thomas Ramges „Mensch und Maschine. Wie Künstliche Intelligenz und Roboter unser Leben verändern“ greifen. Auf knappen 94 Seiten gibt der Wirtschaftsjournalist einen knappen Überblick über alles, was der interessierte Laie über Künstliche Intelligenz wissen sollte. Vor allem räumt er mit apokalyptischen Untergangsszenarien auf. Die Maschine wird die Menschheit nicht unterjochen. Ganz klassisch geht die größte Gefahr nach wie vor vom Menschen aus. George Orwells „1984“ ist keine Utopie mehr. Staaten, die es darauf anlegen, können sich mittels eines Überwachungs- und Belohnungssystems optimierte Bürger heranziehen. Das geht zwar auch ohne Künstliche Intelligenz wie die Geschichte beweist, aber mit ist es effektiver.

Und, um mit Erich Kästner zu fragen, wo bleibt das Positive? Mehr Bequemlichkeit, mehr Effizienz, Robo-Anwälte und -Ärzte, die in manchen Bereichen besser sind als ihre menschlichen Kollegen. Intelligente Maschinen werden komplexe Entscheidungen treffen (oft besser als wir das könnten), künstliche Helfer sich in unserem Leben breitmachen. Wir werden nicht in jedem Fall gefragt werden, ob wir das auch wollen, aber man sollte wenigstens mitreden können. Thomas Ramges Buch hilft dabei. Kurz, informativ, verständlich. Der Preis ist allerdings stolz: 6 € für ein schmales Reclam Heftchen.    

Thomas Ramge, Mensch und Maschine. Wie Künstliche Intelligenz und Roboter unser Leben verändern, Ditzingen 2018 (Reclam Verlag)

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