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Das StadtPalais - Stuttgarts neues Wohnzimmer

Seit zwei Wochen hat Stuttgart sein eigenes Museum. 41 Millionen hat sich die Stadt ihr neues Wohnzimmer kosten lassen, 20 Jahre hat man geplant und wieder verworfen. Passend für Stuttgart liegt die historische Hauptschlagader der Stadt jetzt zwischen der exklusiven Konsum- und Flaniermeile Dorotheenviertel und der umstrittenen Dauerbaustelle S 21. Davor wälzt sich der Stuttgarter Verkehr. Das denkmalgeschützte Wilhelmspalais, Wohnung des letzten württembergischen Königs und bis 2011 Sitz der Stadtbibliothek, wurde vollständig entkernt. In die klassizistische Hülle hat das Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei ein modernes Haus gesetzt. Dank viel Holz ist es licht und ruhig geworden, die Räume gleichen großzügigen Birkenholzkästen.    

Von links nach rechts:

1. Stuttgart und die anderen. Ein ewiges Problem. 

2. Der Hintereingang des neuen Stadtpalais.

3. Das alte Wilhelmspalais entkernt. Foto: © StadtPalais

4. Das neue Museum von innen.

5. Leider ziemlich verunglückt: Das Logo hat für viel Spott gesorgt.

6. Das Willkommensgeschenk für jedes in Stuttgart geborene Kind. Womit wir bei der Frage sind: Wer oder was ist eigentlich ein Stuttgarter? Damit beginnt die Ausstellung.

Maximal multimedial

Stuttgart ist, so konnte man lesen, die letzte große Stadt, die sich ein Stadtmuseum leistet. Wobei man das Wort „Museum“ meidet, wie der Teufel das Weihwasser. StadtPalais (nein, das ist kein Schreibfehler) heißt die gute Stube - Museum für Stuttgart. Und da ist es dann doch, das schlimme Wort. Nein, es ist gut geworden, das neue Stadtmuseum. Unterhaltsam, spielerisch. Maximal multimedial hieß es in einer Besprechung, was bedeutet, dass es viele Knöpfe zu drücken gibt, viele Schubladen zu öffnen, durch viele Gucklöcher zu schauen. Torben Giese, der Direktor des Stadtmuseums, nennt das Edutainment. In der Dauerausstellung wird Stadtgeschichte in kleinen Portionen gereicht, vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Wer sich auf die Suche nach dem „wahren“ Stuttgart und seinen Bewohnern begibt, wird viele Antworten finden. Das Stadtpalais räumt jedenfalls mit dem gängigsten Stuttgart-Klischee auf: nicht langweilig und öde sondern frech und innovativ präsentiert sich die Landeshauptstadt.

Von links nach rechts:

1. Interaktives Stadtmodell. Angeblich stammt der Name Stuttgart von einem Stutengarten, den Liudolf, Sohn Ottos des Großen, hier betrieb. Eindeutige Beweise gibt es jedoch nicht. 

2. Trotzdem setzten die Stuttgarter auf das Rössle. Seit dem 13. Jahrhundert ist es das Wappentier. 1659 bestellt der Rat ein Willkommgefäß in Form einer aufsteigenden Stute, die ein Fohlen säugt. Um daraus zu trinken, muss man den Kopf der Stute abnehmen. Foto: © Stadtpalais

3. Wer mehr über Ludwig Friedrich Karl Leuze wissen will, muss eine Schublade öffnen. Leuze ist der Begründer des gleichnamigen Mineralbades. Schon die Römer schätzten die Stuttgarter, pardon Cannstatter, Mineralquellen.

4. Drei anrührende Ausstellungstücke. Vor seiner Flucht nach England  im August 1939 verschenkte der jüdische Arzt Viktor Rosenfeld seine Weingläser an eine Nachbarin.

5. Vor #MeToo: Schon einmal war Stuttgart eine einzige Baustelle. Ein neues Nahverkehrssystem wurde aufgebaut. 1978 fuhr endlich die erste S-Bahn und die Stuttgarter atmeten auf. Die unbekleidete Dame machte darauf aufmerksam.

6. Nicht der Helm eines Außerirdischen, sondern ein neuer ballistischer Einsatzhelm, der Polizisten besser schützen soll. 70er Jahre. Hochzeit der Rote Armee Fraktion.

Eine bürgerliche Wunderkammer

Ob man ein jüngeres Publikum ansprechen kann, wird sich zeigen. Am Besuchstag war die Ausstellung gut gefüllt mit den üblichen Verdächtigen: Schülern und Senioren. Will man mäkeln, so kann man bemängeln, dass es an Übersichtlichkeit fehlt. Die Ausstellung hat etwas von einem Kuriositätenkabinett, einer bürgerlichen Wunderkammer. Aber man kann ja immer wieder kommen. Der Eintritt ist schließlich frei. Das freut die Stuttgarter. Ach ja, es gibt auch einen empfehlenswerten Mediaguide. 

Das macht besonders viel Spaß. Modelle aus gut bestückten Regalen nehmen und Informationen abrufen. Hier neben dem Rössle Stuttgarts berühmtestes Tier: Der Juchtenkäfer!

StadtPalais

Museum für Stuttgart

Konrad-Adenauer Str. 2

70173 Stuttgart

Di-So 10 bis 18 Uhr

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