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Eine Liebe im Dunkeln - "Maximilian" im ZDF

Und wieder regnet es. Blaugrau wallen die Nebel, fahles Licht streift über feuchte Wiesen, dass die Rüstungen nur so rosten. Düster ist’s und klamm. Der alte Friedrich sitzt auf seinem Thron, vor Kälte wie erstarrt. Ja, haben sie denn da keine anständigen Kerzen? Nicht mal bei Kaisers? Und macht mal einer das Kaminfeuer an?

Kaiser Maximilian und seine Familie, gemalt von Bernhard Strigel, nach 1515, Kunsthistorisches Museum Wien. Von links: Maximilian, seine Enkel Ferdinand I. und Karl V., sein Sohn Philipp der Schöne, Maria von Burgund und sein Schwiegerenkel Ludwig II.
Kaiser Maximilian und seine Familie, gemalt von Bernhard Strigel, nach 1515, Kunsthistorisches Museum Wien. Von links: Maximilian, seine Enkel Ferdinand I. und Karl V., sein Sohn Philipp der Schöne, Maria von Burgund und sein Schwiegerenkel Ludwig II.

Das ZDF bescherte uns am langen Wochenende zur deutschen Einheit den historischen Dreiteiler „Maximilian“. Das „Spiel von Macht und Liebe“, so der Untertitel, handelt von einer ungewöhnlich komplizierten Eheanbahnung. Die zwanzigjährige Maria erbt nach dem Schlachtentod ihres Vaters im Jahr 1477 Burgund. Ein schönes Erbe, denn Burgund ist ein fortschrittliches und wohlhabendes Land. Leider ist Maria eine Frau, deshalb muss sie heiraten, weil ihr sonst die Franzosen ihr Erbe wegnehmen. In Frage kommen Maximilian, der arme, aber schneidige Sohn Kaiser Friedrichs III. und der etwas klein geratene siebenjährige französische Thronfolger. Eigentlich will Maria keinen von beiden, aber dann doch eher Maximilian, der ist dann auch schneller als der kleine Franzose, heiratet Maria, verteidigt sein neues Herzogtum mit dem Schwert gegen die vielen, vielen Widersacher, zeugt zwei Kinder und, wer hätte das gedacht, beide verlieben sich so richtig ineinander und als es dann am schönsten ist und alle glücklich sind, stürzt Maria beim gemeinsamen Ausritt über sonnenbeschienene Wiesen (ja, jetzt scheint die Sonne) vom Pferd und stirbt. Wir schreiben das Jahr 1482. Maximilian wird nie wieder eine andere Frau lieben können.

Liebe am Fjord. Oder war es Burgund?

15 Millionen Euro hat diese Schmonzette gekostet: 3000 Komparsen, 680 Pferde, 1050 Kostüme, 450 Rüstungen. Wofür? Für zu viel Emotion. Doppelt-gemoppelt hält besser, haben sich die Macher offenbar gedacht und der Verbindung von Herzog und Herzogin noch die unglücklich-glückliche Liaison von Kammerherr und Vertrauter als Sahnehäubchen obendrauf gegeben. Einschließlich drohender Verstümmelung der Schönen. Wenigstens stimmt die Rahmenhandlung so einigermaßen. Aber der Film findet keine Balance. Maria gibt sich im ersten Teil wie ein rotziges Girlie. Nach der Enthauptung der Berater wird es besser, so etwas lässt einen ja auch reifen. Überhaupt sind die burgundischen Frauen sehr emanzipiert, reisen ohne Begleitung durch die Weltgeschichte, doch wenn dann ein fescher Schwertträger mit Topfdeckelschnitt daherkommt, ja, da muss frau sich doch einfach hinlegen, um mal Brecht zu zitieren. Obwohl Maximilian schon ziemlich verstopft einherschreitet, man möchte ihm etwas Flohsamen geben, damit er sich mal erleichtern kann. In der realen Welt verständigten sich die beiden übrigens anfangs auf Latein, weil keiner der Sprache des anderen mächtig war. Das wäre doch nett gewesen. Aber im deutschen Fernsehen sprechen halt immer alle deutsch. Dafür kriegt man Kalenderblatt-Sprüche: „Aus nichts wird nichts, es braucht immer einen Keim.“ (Hä?) oder „Glaubst du, man ist nur dann etwas wert, wenn man den Weg geht, den alle gehen?“ (Maximilian zu seiner Stief-Schwiegermutter, als diese über die Nutzlosigkeit ihres kinderlosen Seins lamentiert.) Oder das absolute Highlight: „Wir schaffen das“, sagt Merkel von Burgund, als Flüchtlinge aus der Picardie nach Gent strömen und die Unruhe in der Bevölkerung wächst, ach nein, wie komme ich nur darauf, es war ja Maria von Burgund.

Ach, da schaue ich doch lieber Sketch History. Ist wenigstens ab und zu lustig.

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