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Geschmiedet um zu töten

Die Geschichte des Schwerts von der Antike bis zu Darth Vader

Darth Vader Spielzeugfigur
Spielzeugfigur Darth Vader 2015. © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart. Foto: Henrik Zwietasch
Bidenhänder
Bidenhänder konnten bis zu 1,80 m lang sein. Da brauchte Mann schon beide Hände. 2. Hälfte 16. Jahrhundert, © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart. Foto: Henrik Zwietasch

Faszination Schwert

Der Mensch scheint immer dann besonders einfallsreich zu sein, wenn es darum geht, seine Artgenossen möglichst effektiv ins Jenseits zu befördern. Das Schwert ist die erste Waffe, die ausschließlich zum Töten eines anderen Menschen entwickelt wurde. Der erste schwertähnliche Fund stammt aus dem 4. Jahrtausend vor Christus, es dauerte jedoch noch eine ganze Weile, bis die Waffe wirklich einsatzbereit war. Immerhin erforderte die Herstellung eines Schwertes hochentwickelte technische Fähigkeiten. Eine Sache für Spezialisten. Und billig war das Ganze auch nicht. Mit der „Faszination Schwert“ beschäftigt sich eine Sonderausstellung im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. Die Ausstellung bietet nicht nur kleinen und großen Jungs (ja, ja und auch Mädchen) etwas, sie behandelt das Schwert in all seinen Facetten: Tötungswerkzeug, Machtsymbol der männlichen Elite, Begleiter ins Jenseits und Propagandamittel. Aber ein wenig Interesse für das Sujet sollte man schon mitbringen. Ritter- oder Fantasybegeisterte sind klar im Vorteil. Es gibt verschiedene Mitmachstationen. Wer schon immer einmal zum Ritter geschlagen werden wollte, kann das hier in rotsamtenem Ambiente erledigen (lassen). Er sollte allerdings einen Begleiter mitbringen. Auf den Spuren des sagenumwobenen Königs Artus darf man versuchen, das Schwert Excalibur aus dem Felsen zu ziehen. Das müssen einige Besucher mit solcher Verve getan haben, dass der Felsen schon reichlich ramponiert ist. Was Artus’ Heldenstatus doch irgendwie entwertet.


Dem Schwert einen Namen geben

Schwert mit INGELRII-Inschrift
Kein Ulfberht, aber auch eine Markenklinge. Schwert mit INGELRII-Inschrift, 12. Jahrhundert. © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart. Foto: Hendrik Zwietasch

Man verlässt die Ausstellung um einige Erkenntnisse reicher. Wer weiß schon im Detail, wie Schwerter hergestellt wurden? Oder dass Markenpiraterie nicht von den Chinesen erfunden wurde? Fränkische Schwerter waren ein hoch geschätztes Qualitätsprodukt des frühen Mittelalters. Ihr Export war streng verboten - jedenfalls theoretisch. Das Spitzenprodukt des 9. Jahrhunderts waren die Ulfberht-Klingen. Bis jetzt hat man 167 Schwerter gefunden, die auf der Klinge die Signatur Ulfberht tragen. Sie waren in ganz Europa verbreitet. Niemand weiß, was es mit dem Namen Ulfberht auf sich hat. Außer, dass er fränkischen Ursprungs ist. War es der Name eines besonders begnadeten Schmieds? Oder der eines Abtes, in dessen Kloster sich die Schmiede befand, vielleicht sogar der eines Bischofs? Sicher ist nur, Ulfberht war ein Markenzeichen für ein qualitativ hochwertiges Produkt und so machten sich in ganz Europa Männer mit Geschäftssinn daran, minderwertige Nachahmungen mit dem Namen Ulfberht zu kennzeichnen, Schreibfehler inklusive. Da wird so mancher Kämpe gestaunt haben, dass sein teuer erstandenes Qualitätsschwert beim ersten Einsatz entzwei ging. Fragt sich, wie lange er diese Erkenntnis überlebt hat.

Für Frauenhände viel zu tödlich?

Codex Manesse, Universitätsbibliothek Heidelberg, ritterlicher Zweikampf
Männer gehen ihrem blutigen Geschäft nach und Frauen schauen zu. Illustration aus dem Codex Manesse, um 1300-1340. © Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848
Amazonen beim Anlegen ihrer Waffen. Halsamphore, 520 v.Chr.
Schwarzfigurige Halsamphore, um 520 vor Christus. Amazonen beim Anlegen ihrer Waffen. © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München. Foto: Renate Kühling

Das Schwert war die Waffe der männlichen Elite, sichtbares Zeichen von Macht, Einfluss und Wehrhaftigkeit. Der einfache Mann trug Messer. Und Frauen? In der Fantasywelt gibt es eine ganze Reihe von Frauen, die das Schwert zu führen wissen, zum Beispiel Brienne von Tarth in der Erfolgsserie Game of Thrones. In der Realität galt und gilt die schwerttragende Frau als Tabubruch. Frauen ziehen nicht wie Männer in den Krieg um Beute und Ehre zu gewinnen, sie werden durch äußere Umstände in eine emotionale Ausnahmesituation getrieben. Erst dann greifen sie zum Schwert. Nicht in dieses Bild passten die Amazonen, jene mythischen Kriegerinnen, die wie Männer Krieg führten, Männer herausforderten und töteten. Für die Griechen undenkbar. Die griechische Frau gehörte an Spindel und Herd. Amazonen standen für das bedrohlich Fremde, deswegen kämpften sie auch nie an der Seite der Griechen; die wilden Töchter des Kriegsgottes Ares schlugen sich stets auf die gegnerische Seite. Und wurden natürlich am Ende besiegt. Auch wenn sich Achill in die sterbende Amazonenkönigin Penthesilea verliebte. Leider hatte er sie vorher tödlich verwundet. Der Amazonenmythos kam vielleicht über die reiternomadischen Kulturen des nördlichen Schwarzmeerraumes zu den Griechen. Hier hat man Frauengräber aus dem 6. bis 4. Jahrhundert vor Christus gefunden, in denen sich neben den üblichen Beigaben Spindel, Spiegel und Schmuck auch Waffen fanden. Die Skelette dieser Frauen wiesen auch Kampfspuren auf. Einen rein weiblichen Kriegerverband hat es allerdings nicht gegeben. Interessanterweise fanden sich in den Männergräbern keine Spindeln. Was beweist, dass sich Frauen schon damals um alles kümmern mussten. Doppelbelastung nennt man das heute.    

Fazit

Bronzenes Vollgriffschwert 9. Jahrhundert vor Christus
Versenkt im Moor: Bronzenes Vollgriffschwert, 9. Jahrhundert vor Christus. © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart. Foto: Peter Frankenstein, Hendrik Zwietasch

Eine interessante Ausstellung über ein zunächst etwas abwegig erscheinendes Thema.

Noch bis zum 28. April 2019 im Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Altes Schloss. Der Audioguide ist im Preis inbegriffen und unbedingt zu empfehlen.

Und wenn man schon mal da ist, lohnt sich ein Blick in die reguläre Ausstellung (der Eintritt ist frei).

 

Mehr Informationen unter: www.landesmuseum-stuttgart.de    

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