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Ein uraltes und einzigartiges Volk - Die Etrusker in Karlsruhe

Die Etrusker haben gerade Hochkonjunktur. Demnächst gehen Ausstellungen in Frankfurt und Schaffhausen zu Ende und noch bis Mitte Juni kann man sich im Karlsruher Schloss einen soliden Überblick über die etruskische Kultur verschaffen. Die Ausstellung „Die Etrusker. Weltkultur im antiken Italien“ bietet keine neuen Erkenntnisse, punktet aber mit einer Vielzahl an hochkarätigen Objekten. Fraglich, wann man das wieder einmal so zu sehen bekommt. Allerdings sollte man vor dem Betreten des Allerheiligsten noch einmal tief Luft holen, denn in den Ausstellungsräumen ist die Luft zum Schneiden, zumindest an einem gut besuchten Sonntag.

Kopf einer Terrakottastatue des Gottes Hermes.

Kopf einer Terrakottastatue des Gottes Hermes/etruskisch Turms. Der Kopf mit dem geheimnisvollen Lächeln dürfte zu einer überlebensgroßen Statue gehört haben als Teil des Dachschmuckes eines Tempels im Heiligtum von Portonaccio in Veji, um 510 - 500 v.Chr., H. 45 cm, T. 26 cm.

Rom, Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia, © Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia, Rom

Die Etrusker seien „(...) ein uraltes und aufgrund der Sprache und der Gebräuche von allen anderen sich unterscheidendes Volk“, schrieb der griechische Schriftsteller Dionysos von Halikarnassos kurz vor der Zeitenwende. Schon in der Antike rätselte man über den Ursprung der Etrusker: Waren sie Einwanderer oder Nachfahren italischer Ureinwohner? Eine Frage, der auch die moderne Forschung immer wieder nachgeht ohne eine abschließende Antwort zu finden. Die ersten Spuren etruskischer Kultur stammen aus dem 9. und 8. Jh. v.Chr., der frühen Eisenzeit. Die Menschen lebten in dörflichen Siedlungen von Ackerbau und Viehzucht. Ein lang anhaltender wirtschaftlicher Aufstieg begann mit der Erschließung metallischer Rohstoffe. Zum Glück für die Etrusker war der Boden ihres Siedlungsgebietes nicht nur fruchtbar, sondern auch reich an Metallerzen. Metallverarbeitung und Handel wurden zum Motor der ökonomischen Entwicklung. Mit dem Aufschwung entwickelte sich eine Oberschicht. Stadtähnliche Siedlungen entstanden, die von einer aristokratischen, konsumfreudigen Elite beherrscht wurden. Als politische Einheit verstanden sich die Etrusker allerdings nie.

Krater des Aristonothos mit der Darstellung einer Seeschlacht
Kleine Figur aus getriebenem Goldblech nach Art  griechischer Koren.

Krater des Aristonothos aus Cerveteri. Hergestellt von einem griechischen Töpfer, bemalt von einem etruskischen Künstler. Dargestellt ist eine Seeschlacht, der Rammsporn des linken Schiffes gilt als etruskische Erfindung. Zweites Viertel 7. Jh. v.Chr.

Rom, Musei Capitolini, © Rom, Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali, Musei Capitolini, Archivio Fotografico Musei Capitolini

Weibliche Figur aus getriebenem Goldblech. Die kunstvoll gearbeitete Figur erinnert an die archaischen griechischen Koren. 540– 510 v. Chr.; aus Cerveteri, Banditaccia-Nekropole

H 5 cm, B 2 cm

Rom, SABAP-RM-MET, © Soprintendenza ABAP per l’area metropolitana di Roma, la Provincia di Viterbo e l’Etruria Meridionale


Es scheint so, als seien die Etrusker stets offen für neue Ideen und Anregungen von außen gewesen. Der überregionale Handel lief per Schiff und begründete die Seefahrertradition der Etrusker. Das Mittelmeer war ein großer Raum des Austausches, aber auch der Raubzüge und manchmal fiel beides zusammen. Nicht nur Waren und Güter, auch Ideen und Menschen, Handwerker, Händler, Sklaven, kamen aus dem Vorderen Orient und Griechenland nach Etrurien. Die Etrusker waren berühmt für ihre Goldschmiedearbeiten, schwierige Techniken wie die Granulation, das Auflöten winziger Goldkügelchen, wurden ihnen vermutlich durch Kunsthandwerker aus dem östlichen Mittelmeerraum vermittelt.

Kunstvolle goldene Schulterfibel mit winzigen Tierornamenten

Goldene Schulterfibel/Kammschließe mit Tierornamenten. Eines der bedeutendsten Werke der orientalisierenden Goldschmiedekunst, mit Sicherheit von Handwerkern orientalischer Herkunft hergestellt, Mischung aus ägyptisch-phönizischer und griechischer Tradition. Grabinventar aus der Tomba Bernardini in Palestrina, 2. Viertel 7. Jh. v. Chr., L 17,3 cm, B. 10,3 cm.

Rom, Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia, © SABAP per l’area metropolitana di Roma, la provincia di Viterbo e l’Etruria Meridionale

Mangels literarischer Zeugnisse prägen Funde aus Nekropolen unser Wissen von den Etruskern. Folgerichtig prägen sie auch die Karlsruher Ausstellung, die das jedoch sehr gelungen in Szene setzt, etwa mit dem Nachbau eines monumentalen Hügelgrabes oder der Inszenierung der berühmten etruskischen Graburnen. In den Grabbeigaben zeigt sich das hohe Niveau etruskischen Kunsthandwerks. Vom Leben der Unterschichten erzählen die Fundstücke nichts. Wir sehen wie durch ein Schlüsselloch nur einen sehr begrenzten Ausschnitt der damaligen Verhältnisse. Das könnte in Karlsruhe deutlicher herausgearbeitet werden. 

Impression aus der Ausstellung. Inszenierung der Graburnen

Impression aus der Ausstellung: Installation etruskischer Graburnen

© Badisches Landesmuseum Foto: Uli Deck

Ihren weniger wohlmeinenden Nachbarn galten die Etrusker als lebenslustig, sinnenfroh und verfettet. Tatsächlich war der Lebensstandard sehr hoch, die Lebenserwartung lag bei geschätzten 40 bis 50 Jahren. Im florierenden 6. Jahrhundert entwickelte sich neben der Aristokratie eine relativ breite Mittelschicht. Bankette spielten in Etrurien, so wie im gesamten Mittelmeerraum, eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben. Man aß und trank gemeinsam, vor allem Wein, begleitet von Musik und Erzählungen. Das Ganze diente der Repräsentation des sozialen Status, der Festigung freundschaftlicher Bande oder diplomatischer Kontakte und nicht zuletzt dem Vergnügen. Im Gegensatz zu Griechenland nahmen auch Frauen an den Banketten teil, weshalb etruskische Frauen den Griechen als leichtlebig und trinkfest galten. Urnendeckel zeigen häufig Ehepaare gemeinsam auf einer Kline liegend. Allerdings sollte man nicht dem Trugschluss unterliegen, etruskische Frauen seien den Männern gleichgestellt gewesen. Verglichen mit griechischen Frauen genossen sie mehr Freiheiten, das war aber auch nicht schwer. Bankette waren nicht nur bei Aristokraten verbreitet, auch die Mittelschicht feierte ausgiebig und gerne. Bankette gehörten zum etruskischen Life-Style mittlerer und gehobener Kreise. Bankett-Sets, also Mischgefäße, Schöpfkellen und was man sonst noch so brauchte, wurden häufig Toten mitgegeben, gedacht für Bankette im Jenseits oder für die Abhaltung des Totenmahls.

Büste einer wohlhabenden, reich geschmückten Frau aus Terrakotta, Grabbeigabe

Büste einer wohlhabenden Frau mit aufwendiger Frisur und reichem Schmuck aus Cerveteri, Banditaccia-Nekropole, 4.–3. Jh. v. Chr., Terrakotta, H. 20 cm, L. unten 23 cm.

Cerveteri, Magazin der Banditaccia-Nekropole, © Polo Museale del Lazio

369 v.Chr. wurde das etruskische Veji von seinem aufstrebenden Nachbarn Rom unterworfen, um die Mitte des 3. Jahrhunderts waren alle etruskischen Städte von Rom abhängig. Mit der Verleihung des Bürgerrechts 88 v.Chr. wurden die Etrusker endgültig zu Römern. Viele Römer rühmten sich ihrer etruskischen Herkunft, die römischen Abwassersysteme, die Toga, die Eingeweideschau und mehr sollen auf die Etrusker zurückgehen. Sicher ist deren etruskischer Ursprung jedoch nicht.

Fazit

Empfehlenswerte Ausstellung, gut aufbereitet, könnte manchmal etwas differenzierter sein, aber diese Lücke schließt der sehr empfehlenswerte Katalog.

Audioguide ist nicht unbedingt nötig, schlägt noch mal mit 4 € extra zu Buche, was schon ein stolzer Preis ist. Außerdem muss man einen Mietvertrag unterschreiben, der nach Rückgabe in einem Shredder entsorgt wird. Etwas umständlich.

Jacken und Taschen gleich welcher Größe sind in der Ausstellung nicht erlaubt. Schließfächer sind jedoch ausreichend vorhanden.

 

Die Etrusker - Weltkultur im antiken Italien

Badisches Landesmuseum Schloss Karlsruhe

noch bis 17.06.2018

Eintritt regulär 12 €, Audioguide 4 €

Katalog 29.90 € in der Ausstellung.

Mehr Informationen gibt es hier.

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